Logo

Logo

Samstag, 13. Juni 2020

Gottesdienst am Sonntag, den 14. Juni 2020


Gottesdienst am Sonntag, den 14. Juni 2020 um 11h30 in der oekumenischen Gemeinde
St. Nikolaus zu Alanya (1. So. n. Trinitatis) mit Abendmahlsfeier

musikalisches Vorspiel

Gruß und Eingangswort:Wir beginnen und wir feiern unseren Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Dazu grüßen wir uns mit dem Wort aus Matthäus 11,28: „Jesus Christus spricht: Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken.“ Amen

Eingangslied EG 365, 1.4.8   
Von Gott will ich nicht lassen, denn er lässt nicht von mir,
führt mich durch alle Straßen, da ich sonst irrte sehr.
Er reicht mir seine Hand, den Abend und den Morgen
tut er mich wohl versorgen, wo ich auch sei im Land.
            Es tut ihm nichts gefallen, denn was mir nützlich ist.
            Er meint's gut mit uns allen, schenkt uns den Herren Christ, sein' eingebornen Sohn;
            durch ihn er uns bescheret, was Leib und Seel ernähret. Lobt Gott im Himmelsthron!
Das ist des Vaters Wille, der uns geschaffen hat. Sein Sohn hat Guts die Fülle
erworben uns und Gnad. Auch Gott der Heilig Geist im Glauben uns regieret,
zum Reich der Himmel führet. Ihm sei Lob, Ehr und Preis!                (Ludwig Helmbold 1563-69)
           
Lesung aus       Psalm  103 (in zeitgenössischer Übertragung von Peter Spangenberg)
Gott, du schlägst eine Brücke zu uns, darum: Lobe den Herrn, meine Seele.
     Mit allen Fasern meines Lebens will ich dich loben,
     denn alles, was mein Leben wirklich erfüllt sein lässt, trägt deinen Namen.
Ich will daran denken, dass du mich reich beschenkst,
denn liebevoll und voller Güte nimmst du mich an, wie ich bin;
mit meinen Schwächen und Nachteilen, nicht nur mit meinem Sonntagsgesicht.   
     Du bewahrst mich davor, mein Leben zu verspielen oder zu vertun.
     Du rechnest nicht auf und nicht vor. Seit altersher wissen das die Menschen vor dir.
Du kommst uns entgegen mit offenen Armen, du schlägst eine Brücke zu uns,
obwohl wir oft weit weg sind von dir. - Über alle, die an dich glauben, breitest du deine Gnade wie einen Mantel und dann wird uns warm ums Herz.
      Wir bekommen einen großen Abstand zu unseren Taten und spüren:
      Du nimmst uns an wie gute Eltern ihre Kinder.
Du kennst ja die Grenzen unseres Lebens. Du weißt, wie kurz es ist.
Bei dir aber sind wir für alle Zeit gut aufgehoben,
     denn du bleibst bei denen, die deine Regeln mit Leben erfüllen.
     Darum, mit allen Fasern meines Lebens will ich dich loben!                              Halleluja!

Kyrie: Herr Jesus Christus, du bist unser Leben! Dir verdanken wir alles, was wir sind und haben. Mit dir, Herr, an unserer Seite, kann uns nichts geschehen, denn es gibt keinen Weg, den du nicht voraus gegangen bist, kein Dunkel, dass du nicht kennengelernt hast, kein Leid und keine Last, bei der du uns nicht tragen hilfst. Herr, halte uns ganz fest und bleibe bei uns, wohin der Lebensweg uns auch führt! Herr, erbarme dich, wenn wir jetzt singen: Kyrie eleison...
Gloria:  In Gottes weiter Liebe sind wir geborgen. Wie uns die Luft zum Atmen umgibt, so ist Gottes Liebe immer schon um uns, auch wenn wir sie nicht sehen. Niemand muss sich Gottes Liebe erst verdienen. Keiner ist mit seinem Leben dort, wo seine Liebe nicht hinreicht. Können wir sie auch nicht sehen, so spüren wir sie doch täglich: In jeder Minute unseres Lebens ist sie um uns. Sie ist unser Ausgang, unser Weg und unser Ziel.  Darum lobsinget Gott, erhebt seinen heiligen Namen! Laudate omnes gentes...
Tagesgebet:  (lasst uns beten!  o.ä.) Bei dir, Gott, ist die Quelle des Lebens... Wie häufig jedoch kann man nicht mehr viel davon spüren, dass Menschen das auch wissen, Herr? Die Quellen unseres Lebens fließen woanders, wie wir meinen: Dort, wo uns weltliche Sicherheiten vorgaukeln, wir könnten unser Leben selbst machen. Wo wir den eigenen Kräften vertrauen und uns auf unsere Fähigkiten oder unser Geld verlassen. Führe uns zurück zu dir, Herr. Zeig uns die wahre Quelle mit lebendigem Wasser durch unseren Herrn Jesus Christus.  Amen

Gemeindegesang: EG 256, 1  Einer ist's, an dem wir hangen, der für uns in den Tod gegangen
und uns erkauft mit seinem Blut. Unsere Leiber, unsere Herzen, gehören dir, o Mann der Schmerzen; in deiner Liebe ruht sich's gut. Nimm uns zum Eigentum bereite dir zum Ruhm deine Kinder. Verbirg uns nicht das Gnadenlicht von deinem heilgen Angesicht. 
(Text: Albert Knapp 1824; Melodie: „Wachet auf“ ruft uns die Stimme...)

Schriftlesung:  Lukas 19, 41-44    (Jesus weint über Jerusalem - Lutherbibel)
41 Und als er nahe hinzukam und die Stadt sah, weinte er über sie  42 und sprach: Wenn doch auch du erkenntest an diesem Tag, was zum Frieden dient! Aber nun ist's vor deinen Augen verborgen. 43 Denn es wird eine Zeit über dich kommen, da werden deine Feinde um dich einen Wall aufwerfen, dich belagern und von allen Seiten bedrängen 44 und werden dich dem Erdboden gleichmachen samt deinen Kindern in dir und keinen Stein auf dem andern lassen in dir, weil du die Zeit nicht erkannt hast, in der du besucht worden bist.
(Selig sind, die Gottes Wort hören und bewahren)
Apostolisches Glaubensbekenntnis
Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde,
und an Jesus Christus,  seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinab  gestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.                          Amen

Lied zur Predigt  EG 257, 1.3.4     Der du in Todesnächten erkämpft das Heil der Welt
und dich als den Gerechten zum Bürgen dargestellt, der du den Feind bezwungen,
den Himmel aufgetan: Dir stimmen unsere Zungen ein Hallelujah an.
            Noch werden sie geladen, noch gehen die Boten aus, um mit dem Ruf der Gnaden
            zu füllen dir dein Haus. Es ist kein Preis zu teuer, es ist kein Weg zu schwer,
            hinaus zu streun dein Feuer ins weite Völkermeer.
O sammle deine Herden dir aus der Völker Zahl, dass viele selig werden und ziehn zum Abendmahl.
Schließ auf die hohen Pforten, es strömt dein Volk heran; wo noch nicht Tag geworden,
da zünd dein Feuer an!                          (Christian Gottlob Barth 1827  Mel: Valet will ich dir geben)

Kanzelgruß: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

Predigttext:    Lukas 14, 15-24            (Das große Abendmahl - Lutherbibel)
15 Da aber einer das hörte, der mit zu Tisch saß, sprach er zu Jesus: Selig ist, der das Brot isst im Reich Gottes! 16 Er aber sprach zu ihm: Es war ein Mensch, der machte ein großes Abendmahl und lud viele dazu ein. 17 Und er sandte seinen Knecht aus zur Stunde des Abendmahls, den Geladenen zu sagen: Kommt, denn es ist schon bereit! 18 Da fingen sie alle an, sich zu entschuldigen. Der erste sprach zu ihm: Ich habe einen Acker gekauft und muss hinausgehen und ihn besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 19 Und ein andrer sprach: Ich habe fünf Joch Ochsen gekauft und ich gehe jetzt hin, sie zu besehen; ich bitte dich, entschuldige mich. 20 Wieder ein andrer sprach: Ich habe eine Frau geheiratet; darum kann ich nicht kommen. 21 Und der Knecht kam zurück und sagte das seinem Herrn. Da wurde der Hausherr zornig und sprach zu seinem Knecht: Geh schnell hinaus auf die Straßen und Gassen der Stadt und führe die Armen und Verkrüppelten und Blinden und Lahmen herein. 22 Und der Knecht sprach: Herr, es ist geschehen, was du befohlen hast; es ist aber noch Raum da. 23 Und der Herr sprach zu dem Knecht: Geh hinaus auf die Landstraßen und an die Zäune und nötige sie hereinzukommen, dass mein Haus voll werde. 24 Denn ich sage euch: Keiner der Männer, die eingeladen waren, wird mein Abendmahl schmecken.

Predigt               Liebe Gemeinde!
Ein Mensch lädt zu einem festlichen Essen ein. Er freut sich darauf zu feiern, mit den Menschen, mit denen er sich durch Beruf und Stand und Familie eng verbunden fühlt. Er hat das Fest gut vorbereitet, die Einladungen rechtzeitig bekannt gegeben, so dass er, als es soweit ist, seine Boten ausschickt, um die geladenen Gäste abzuholen: „Kommt, es ist alles bereitet!“ Die Spannung im Hause des Gastgebers ist auf dem Höhepunkt, als der erste Bote zurückkommt, aber er kommt allein – nur mit einem Entschuldigungsschreiben in der Hand. Der Geladene hat einen wichtigen geschäftlichen Termin wahrzunehmen. Bald darauf kommt der zweite Bote und der dritte – beide ebenfalls allein mit einem Entschuldigungsschreiben. Geschäft und Familienangelegenheiten gehen offenbar vor, obwohl sie doch hätten verschoben werden können, während das Fest nur einmal stattfindet.
Wissen die Geladenen, was sie tun, wenn sie ihre geschäftlichen und privaten Termine für wichtiger halten als die Teilnahme am Fest? Wissen die Geladenen, was sie tun, wenn sie ihre Ge-schäftspartner und EhepartnerInnen wichtiger nehmen als den, der einlädt, den Gastgeber? Sicherlich würden sie die Einladung nicht ausschlagen, wenn ein König oder ein Kaiser oder ein Staatsoberhaupt oder sogar ein Gott einladen würde! Keiner würde den Boten, der kommt, um sie abzuholen, allein nur mit einem Entschuldigungsschreiben zurückgehen lassen.
Im Gegenteil! Sie würden sich geehrt fühlen, sie würden sich schmücken zum festlichen Essen, um dem Gastgeber zu gefallen; sie würden teure Gastgeschenke mitbringen, um sich die Sympathie des Gastgebers zu erhalten und würden sich tief verbeugen und sich bedanken für die Ehre zu den Geladenen zu gehören. Ja, so würden sie es machen.
Der Gastgeber war aber kein Kaiser und kein König, kein Staatsoberhaupt, kein Bischof und kein Gott. „Es war ein Mensch, der bereitete ein großes Gastmahl und lud viele dazu“. Wer war dieser Mensch? Jesus, der uns dieses Gleichnis erzählt, spricht von sich selbst, vom Menschensohn, dem Gottessohn. Er spricht damit aber zugleich das Geheimnis des Gottesreiches aus, das so verborgen ist wie der Gottessohn im Menschensohn, wie der Schatz im Acker, wie der Sauerteig im Brot und wie die eine kostbare Perle unter den unendlich vielen gleich aussehenden Perlen. -
Es gibt eine Begebenheit auf dem Wege Jesu – wir haben sie gerade als Wort der Lesung vor uns gehabt – die für mich sehr bewegend ist. Jesus weint über die heilige Stadt Jerusalem. Er sieht voraus, was mit ihr und den Menschen, die darin wohnen, geschehen wird. Er sieht voraus, dass die Stadt Gottes total zerstört werden wird, kein Stein wird auf dem anderen bleiben... Nicht einmal die mächtigen Quader des Tempels... Denn die Stadt hat die Stunde der Heimsuchung nicht erkannt. Sie ist mit Blindheit geschlagen, genauso wie die geladenen Gäste im Gleichnis mit Blindheit geschla-gen sind. Sie erkennen einfach nicht, wer der ist, der da einlädt. Sie hatten sich ein anderes Bild gemacht von dem, der da kommen sollte. Sie schauten stolz oder gleichmütig, spöttisch oder so schrecklich vernünftig, besserwissend oder achselzuckend vorbei an dem, der sie hätte retten und bewahren wollen. Sie schlugen seine Einladung aus – und ihn selbst ans Kreuz. Sie wollten ihn los sein, ein für allemal und sind ihn doch nicht losgeworden, bis auf den heutigen Tag nicht.
Damals war es das Volk Israel – heute ist es die Kirche, die sich nach seinem Namen nennt, die sein Wort predigt und die doch seine Einladung zum Festmahl ausschlägt, die mit Blindheit geschla-gen ist.  - Oder ist sie es nicht???
Der Gastgeber im Gleichnis wird zornig, als er hört, wie gleichmütig die Menschen mit seiner Einladung umgehen, wie sie ihren eigenen Terminkalender so wichtig nehmen und ihre eigene Zeit-Rechnung. Er öffnet seine Türen für die, diie draußen so herumstehen: Die Faulenzer und Nichtstuer, die Süchtigen, die vergewaltigten Frauen, die an keine Liebe mehr glauben können, die misshandelten, getretenen, wehrlosen Kinder, die keinen haben, der sie vertrittt und die Corona-Kranken. Er ermutigt sie alle, hereinzukommen, die mit der schwarzen Hautfarbe und der braunen, der gelben, der roten und der weißen. Für ihn gibt es keine Rassen. Für ihn gibt es nur Menschen, seine Geschöpfe und Kinder, allesamt!
Da kommen die Hungernden der Erde und die Kastenlosen, die Unreinen, sie kommen alle und es ist immer noch Platz. Da öffnet er die Gefängnistüren und lässt die Gefangenen und Gefolterten Platz nehmen an der reich gedeckten Tafel. Sie essen alle und werden satt – wie bei der Speisung der Vieltausenden. -
Es klingt wie ein Märchen, aber ist es wahr? - Liebe Gemeinde, es kann wahr werden durch uns, wenn wir es wahr werden lassen wollen. - Jesus erzählt dieses Gleichnis, um seine Zuhörer – und die sind wir jetzt, zu ermutigen, damit wir ebenso handeln, we der Mensch im Gleichnis, der ganz normale Mensch, der die an seinen Tisch lädt, die ihn nötig haben, und die loslässt, die meinen, Wichtigeres zu tun zu haben.
Der dänische Theologe und Religionsphilosoph Sören Kirkegaard nannte einmal des Christen höchste und einzige Vollkommenheit: Gott nötig haben. Er wollte damit sagen, nur wer in seiner Not sich an Gott klammert, der ist auch fähig, dem anderen in seiner Not „ein Helfer zu werden“.
Was das bedeutet, mag uns eine Geschichte von Leo Tolstoi erläutern: „An einem heißn Tage trafen sich drei Wanderer an einer Quelle mit klarem, eiskaltem Wasser. Die Quelle sprudelte aus der Erde hervor, das Wasser sammelte sich in der Aushöhlung eines Steines und floss als Bach über eine Wiese. Unmittelbar über der Quelle lag ein Stein mit folgender Inschrift: „Trachte danach, dieser Quelle zu gleichen!“ -
Einer der Wanderer, ein Kaufmann, sagte sogleich: „Das ist ein guter Rat, so muss auch der Mensch unermüdlich rührig sein und sprudeln. Dann wird er mit allen seinen Unternehmungen Erfolg haben und ein großes Vermögen erwerben.“ -
Der zweite Wanderer, ein junger Mensch, sagte: „Nein, die Inschrift bedeutet, dass der Mensch sein Herz vor schlechten Gedanken und Wünschen bewahren soll, damit sein Herz ebenso rein bleibt, wie das Wasser dieser Quelle.“ -
Der dritte Wanderer war ein alter Mann. Er lächelte und sagte: „Der Sinn dieser Inschrift ist der, dass die Quelle jederzeit jeglichen Dürstenden, wie uns, unentgeltlich den Durst stillt und den Menschen lehrt, dass er allen Gutes erweisen soll und dass er es ohne Entgelt tun soll, ohne dafür eine Belohnung oder Dank zu erwarten.“ -
Wanderer sind wir alle, liebe Gemeinde, unterwegs zu einem unbekannten Ziel. Wir alle wissen, dass es Quellen gibt, Oasen in der Lebenswüste, die den Lebenshunger und Durst stillen. (So wie in dieser Woche die Aufhebung der Quarantäne für Ältere nach wochenlanger Wohnungsbindung!) Und: Die Quelle ist ein neutestamentliches Symbol für Jesus Christus, der Leben schenkt. Auch Jesus war so ein Wanderer, der lehrte und predigte. Auch er wusste um die Quelle des Lebens, die nie versiegt. Die Menschen unterscheiden sich nur dadurch, dass sie unterschiedlich damit umgehen. Der Kaufmann ist der Mann im Gleichnis, der seine Geschäfte höher achtet als die Einladung – der junge Mann ist derjenige im Gleichnis, dem sein privates Leben genügt, er will sein reines Herz bewahren – erst der alte, weise Mann hat verstanden, dass wir das Wasser des Lebens umsonst (= unentgeltlich) empfangen. Erst wenn es durch uns hindurchströmt, kommt es an sein Ziel.
Und der Friede Gottes, welcher aus Gnade und Freundlichkeit besteht, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Herrn.               Amen.

musikalisches Zwischenspiel

Fürbittgebet  (Lasst uns beten! o.ä.) Ja, Vater im Himmel,
es ist richtig und gut, dass wir dich loben und preisen dürfen. Wir danken dir für deinen Sohn Jesus Christus. Er hat uns eingeladen, unser Leben zu einem Fest in deiner Nähe zu machen. Er ruft jeden von uns, die Schuldbeladenen und die Selbstsicheren, die Ängstlichen und die Zuversichtlichen. Wir danken dir für jeden Tag, den wir erleben dürfen. Wir danken dir für die Menschen, die mit uns sind. Alle die Menschen, denen wir jetzt wieder von Angesicht zu Angesicht begegnen dürfen, wenn auch noch nicht in unserem Kirchenraum.
Komm in unsere Herzen, lenke unser Fühlen und Denken, durchströme uns wie klares Quellwasser, damit alles an uns zum Lobpreis deiner Gegenwart wird, damit wir deine große Einladung zur Gemeinschaft an deinem Tisch weitergeben dürfen.
Darum loben und preisen wir dich mit deiner ganzen Kirche in aller Welt und stimmen ein in den festlichen Jubel: „Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth und alle Lande sind seiner Ehre voll!“
  Amen.
Himmlischer Vater, wir beten jetzt gemeinsam die Worte, die dein Sohn der Welt geschenkt hat Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.           Amen

Lied zum Abendmahl:  EG 353,1-3 Jesus nimmt die Sünder an, saget doch dies Trostwort allen, welche von der rechten Bahn auf verkehrten Weg verfallen.
Hier ist, was sie retten kann: Jesus nimmt die Sünder an.
Keiner Gnade sind wir wert; doch hat er in seinem Worte eidlich sich dazu erklärt.
Sehet nur, die Gnadenpforte ist hier völlig aufgetan: Jesus nimmt die Sünder an.
            Wenn ein Schaf verloren ist, suchet es ein treuer Hirte; Jesus, der uns nie vergisst,
            sucher treulich das Verirrte, dass es nicht verderben kann: Jesus nimmt die Sünder an
Abendmahlsfeier
Liebe Gemeinde, wir sind versammelt, um in der Gemeinschaft des Glaubens, der Liebe und der Hoffnung das Abendmahl unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus zu feiern.
Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward,
nahm er das Brot, dankte und brach’s und sprach:
Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis.
Desgleichen nahm er auch den Kelch nach dem Mahl
und sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut; das tut, sooft ihr daraus trinkt, zu meinem Gedächtnis.  - Denn sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt.  Amen.  
Wir erinnern uns an Jesus. Er sah Menschen und Dinge in einem anderen Licht. Man kannte ihn als Freund der Kinder und als Anwalt der Armen und der kleinen Leute. In seiner Nähe atmeten sie wieder auf. Nichts, was ihn über seine Schwestern und Brüder stellte, behielt er für sich. Er gab das Letzte, was er noch hatte. Wie ein Kornfeld die Ernte, so nahm er den Tod auf sich. Und weil es nichts in ihm gab, das nicht für andere bestimmt war, sein Leben und sein Tod, genügten ihm ein wenig Brot und ein wenig Wein, um den Seinen alles mitzuteilen.
Dessen zum Gedächtnis singen wir gemeinsam:
(gemeinsam gesungen) 190,2 Christe, du Lamm Gottes, der du...

Einladung zum Mahl                            Austeilung
Kommt, es ist alles bereit. Schmeckt und seht, wie freundlich der Herr ist.                
(ggf. Regieanweisung) Kommunikanten treten vor.
Christi Leib – für Dich gegeben. - Christi Blut – für Dich vergossen.
Sendungswort
Gebt den Nachbarn zur Rechten und zur Linken die Hand als ein Zeichen des Friedens.
Jesus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch. (Joh. 20,21)
Der Friede des Auferstandenen sei mit euch allen.
Keiner sei gegen die anderen, keiner in sich verschlossen;
vergebt, wie euch vergeben ist;
nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat.

Abendmahlssegen
Jesus Christus beauftragt seine Gemeinde: Wie mich mein Vater gesandt hat, so sende ich euch. Wirkt als Salz der Erde und Licht der Welt. - Dazu segne und Behüte uns Gott, der allmächtige und barmherzige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.  Amen
Gehet hin im Frieden des Herrn

Gebet
Jesus, Sohn Gottes, mein Bruder,
ich freue mich, daß du nahe bist und zu mir sprichst.
Du bist die Wahrheit, die mich befreit,
das Brot, das meinen Hunger stillt, der Wein, der mir Freude bringt.
Mein Weg bist du, mein Licht und mein Leben.
In deiner Liebe finde ich die Liebe des Vaters und Kraft, die Menschen zu lieben,
wie ich geliebt bin.
Bei dir weiß ich mich aufgehoben. Nichts soll mich trennen von dir.   Amen.

Abkündigungen  (Hinweis auf den Gottesdienst im Kirchenblog am kommenden Sonntag)

Schlusslied:  EG 353, 7+8   Mein Gewissen quält mich nicht, will mich das Gesetz verklagen;
der mich frei und ledig spricht, hat die Schulden abgetragen,
dass mich nichts verdammen kann: Jesus nimmt die Sünder an.
            Jesus nimmt die Sünder an; mich hat er auch angenommen und den Himmel aufgetan,
            dass ich selig zu ihm kommen und auf den Trost sterben kann: Jesus nimmt die Sünder an.
(Text: Erdmann Neumeister / Melodie: Meinen Jesus lass ich nicht)

Segenswort  
Der Herr begleite uns in diesen Tag und in die neue Woche: Der Herr segne uns, damit wir den Frieden erfahren, ohne den wir nicht froh sein können. Der Herr behüte uns, daß wir getrost und zuversichtlich leben können. Der Herr bewahre uns in seinem Wort, daß wir Boten seiner Liebe und seines Friedens sind.
So segne euch und behüte euch der allmächtige und barmherzige Gott,       
+ der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.       AMEN

musikalisches Nachspiel

Samstag, 6. Juni 2020

Gottesdienst am Sonntag, den 7. Juni 2020 (Trinitatis)



Gottesdienst am Sonntag, den 7. Juni 2020 (Trinitatis) um
11 h 30 in der oekumenischen Gemeinde St. Nikolaus zu Alanya.

Musik zum Eingang

Gruß und Eingangswort
Wir beginnen und feiern miteinander Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  Amen.
Dazu grüße ich Sie alle mit dem Wochenspruch für die heute, am Sonntag Trinitatis, beginnende Woche aus  2. Korinther 13,13: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!         Amen

Gemeindegesang Lied  EG 321, 1-3 Nun dankel alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan.
Der ewigreiche Gott woll uns bei unserm Leben ein immer fröhlich Herz und edlen Frieden geben und uns in seiner Gnad erhalten fort und fort und uns aus aller Not erlösen hier und dort.
Lob, Ehr und Preis sei Gott dem Vater und dem Sohne und Gott dem Heilgen Geist im höchsten Himmelsthrone, ihm, dem dreiein'gen Gott, wie es im Anfang war und ist und bleiben wird so jetzt und immerdar.                                                                                                      (Martin Rinckart um 1630)

Lesung aus Psalm Ps. 145,;1; 8-13)   (= EG Nr. 793    )
Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich.
Gnädig und barmherzig ist der Herr, geduldig und von großer Güte.
Der Herr ist allen gütig und erbarmt sich aller seiner Werke. Es sollen dir danken, Herr, alle deine Werke und deine Heiligen dich loben und die Ehre deines Königtums rühmen und von deiner Macht reden, dass den Menschen deine gewaltigen Taten kundwerden und die herrliche Pracht deines Königtums.
Dein Reich ist ein ewiges Reich, und deine Herrschaft währet für und für.
Ich will dich erheben, mein Gott, du König, und deinen Namen loben immer und ewiglich.             Kommt lasst uns anbeten!

Kyrie: Herr, Jesus Christus, wir rühmen die gewaltigen Taten Gottes - und stehen ihnen doch oft genug mit unserem Denken und Handeln im Wege. Wir preisen die Güte unseres himmlischen Vaters und sperren uns doch gegen seine Führung. Seit du für uns gestorben und auferstanden bist, wissen wir, dass Gott es gut mit uns meint. Lass uns doch davon ausgehen in allem, was uns widerfährt. Stärke unseren Glauben, unser Vertrauen in Gott und habe Dank für alles, was du für uns getan hast. Dafür bitten wir, wenn wir jetzt singen: Kyrie, eleison...

Gloria: Gott wird uns nicht im Stich lassen, was immer auch geschieht. Sein Plan für uns hat ein Ziel: Das Leben in seiner ewigen Nähe. Gott will nicht einen von uns verlieren. Was er für uns tut, ist gut und heilsam. Auch wo es anders aussieht, muss uns alles, was uns widerfährt zu Gott und in sein ewiges Reich führen. Noch die schwersten Stunden, noch die bittersten Erfahrungen müssen uns dazu dienen, das Ziel Gottes für unser Leben zu erreichen. Darum: Lobsinget Gott, erhebt seinen heiligen Namen! Laudate omnes gentes

Tagesgebet: (Lasst uns beten!)
Himmlischer Vater, jetzt, im Augenblick da wir mit dir sprechen, ist für unsere Sache mit dir schon alles entschieden: Wir sollen einmal das Leben sehen. Davon kann uns nichts und niemand mehr trennen, denn es gründet auf der Liebe Jesu, der für uns in Leiden und ans Kreuz gegangen ist. Wir verstehen nicht, warum du uns soviel Barmherzigkeit schenkst, aber wir danken dir dafür von Herzen durch unseren Herrn Jesus Christus. Amen

Gemeindegesang Lied  EG 166, 1.2.5.6
Tut mir auf die schöne Pforte, führt in Gottes Haus mich ein; ach wie wird an diesem Orte meine Seele fröhlich sein!
Ich bin, Herr, zu dir gekommen komme du nun auch zu mir. Wo du Wohnung hast genommen, da ist lauter Himmel hier. Zieh in meinem Herzen ein, lass es deinen Tempel sein.
Stärk in mir den schwachen Glauben, lass dein teures Kleinod mir nimmer aus dem Herzen rauben, halte mir dein Wort stets für, dass es mir zum Leitstern dienst und zum Trost im Herzen grünt.
 (Benjamin Schmolk 1734)

Schriftlesung: 2. Kor. 13,11 (12) 13
Zuletzt, liebe Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein.
Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen.
Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des heiligen Geistes sei mit euch allen!                Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Halleluja!

Apostolisches Glaubensbekenntnis
            Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde,
            und an Jesus Christus,  seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
            Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.                                       Amen

Lied zur Predigt   EG 140, 1-5   Brunn alles Heils, dich ehren wir und öffnen unsern Mund vor dir; aus deiner Gottheit Heiligtum dein hoher Segen auf uns komm.
Der Herr, der Schöpfer, bei uns bleib, er segne uns nach Seel und Leib, und uns behüte seine Macht vor allem Übel Tag und Nacht.
Der Herr, der Heiland, unser Licht, uns leuchten lass sein Angesicht, dass wir ihn schaun und glauben frei, dass er uns ewig gnädig sei.
Der Herr, der tröster, ob uns schweb, sein Antlitz über uns erheb, dass uns sein Bild werd eingedrückt, und geb uns Frieden unverrückt.
Gott Vater, Sohn und Heilger Geist, o Segensbrunn, der ewig fließt: durchfließ Herz, Sinn und Wandel wohl, mach uns deins Lobs und Segens voll!                                                  (Gerhard Terstegen 1745)

Kanzelgruß: Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.
Predigttext: 4. Mose 6, 22-27(Lutherbibel Der priesterliche Segen)

22 Und der HERR redete mit Mose und sprach: 23 Sage Aaron und seinen Söhnen und sprich: So sollt ihr sagen zu den Israeliten, wenn ihr sie segnet: 24 Der HERR segne dich und behüte dich; 25 der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig;
26 der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
27 So sollen sie meinen Namen auf die Israeliten legen, dass ich sie segne.


Predigt:        Liebe Gemeinde!
Das erleben wir ja nun dauernd: Am Ende jedes Gottesdienstes, unmittelbar vor dem musikalischen Nachspiel spendet die Pastorin, der Pastor oder jemand anders Beauftrage/r der Gemeinde den Segen. Ich selbst habe im Laufe der Zeit eine ganze Reihe solcher Segensworte gespeichert und kann wohl für ein Jahr lng sonntags damit abwechseln. Heute nun haben wir einen der bekanntesten Segenssprüche sogar als Predigttext gehört: Der HERR segne dich und behüte dich;  der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden.
Die Gemeinde nimmt im Normalfall den Segen auch ganz konzentriert und gesammelt an, ob wohl er – das möchte ich an dieser Stelle einmal schreiben dürfen – obwohl er eigentlich kein Gebet ist. Doch die meisten nehmen ihn auf mit glaubendem Herzen. Es mag schon mal vorkommen, dass sich die eine oder der andere im Ablauf des Gottesdienstes manchmal langweilt, aber die Langeweile verfliegt, sobald der Segen gesprochen wird. Leider spielt der Segen im Bewusstsein von uns evangelischen Christen nicht die Rolle wie bei unseren katholischen Geschwistern oder gar bei den Juden. Martin Luther noch z.B. sagt zu Beginn seines Morgensegens: "Des Morgens, wenn du aufstehst, kannst du dich segnen mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes." Das ist im Laufe der evangelischen Kirchengeschichte weitgehend verloren gegangen. Und: In den anderen, auch der katholischen Kirche werden nicht nur Menschen gesegnet. Im Frühjahr werden z.B. die Palmzweige und im Herbst die Heilkräuter gesegnet, welche die Menschen in die Kirche bringen. Mit einem Segen bedacht wird auch das Vieh im Stall, und auch bei der Hauseinweihung wird ein Segenswort gesprochen.
Noch zahlreicher sind die Segnungen im Judentum. Man spricht z.B. ein Segenswort beim Aufstehen und am Abend, bevor man sich niederlegt. Natürlich auch beim Einnehmen der Mahlzeiten und – ja!! - auch bei der Notdurft, denn für einen frommen Juden ist nichts einfach so selbstverständlich, was zu einem gesunden Leben beiträgt.
Es ist wahr und auch für uns Christen heute wichtig: "Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, o Gott, von dir, Dank sei dir dafür."  Und: "An Gottes Segen ist alles gelegen." Das ist nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der sich viele als die großen Macher verstehen. Manche haben es einfach vergessen, dass jeder Mensch zunächst einmal lebt von dem, was er empfangen darf, und erst danach vom eigenen Tun und Vermögen. Johannes der Täufer hat gesagt: "Ein Mensch kann nichts nehmen, es werde ihm denn gegeben vom Himmel." Sehen Sie, an diese Wahrheit werden wir immer dann erinnert, wenn wir einen Segenswunsch aus der Bibel oder aus späterer Zeit hören, z.B. die irischen Segenswünsche. Dabei müssen wir beachten: Segensworte sprechen zwar Menschen, aber der, der segnet, ist Gott allein. (Das gilt meines Erachtens in unseren Tagen auch für das "verweltlichte" Segenswort: "Immer schön gesund bleiben!" oder: "Pass auf dich auf!") Der letztendlich segnet, ist Gott. Deshalb heißt es in dem alten biblischen Wort unseres Predigttextes glaich dreimal hintereinander: Der HERR segne dich und behüte dich; der HERR lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig; der HERR hebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden. Segnen heißt: Von Gott etwas Gutes zu erbitten und zu wünschen, dass der Mensch neben mir, das von Gott Erbetene auch empfängt. Deshalb hat ein jeder Segen schon auch eine Ähnlichkeit mit einem Fürbittgebet. Sprechen wir eine Segensformel, wenden wir uns zugleich einem oder mehreren anderen Menschen ganz intensich zu. Jeder Segen, den wir sprechen, ist somit Ausdruck unserer Nächstenliebe.
"Der Herr segne dich und behüte dich." Wer wollte es leugnen in diesen Monaten? Wir sind darauf angewiesen, dass Gott uns beschützt. Unser Leben ist ständig gefährdet – Wer wüsste das wohl nicht? Nicht nur bei Naturkatastrophen wie bei einem Erdbeben, sondern auch bei ganz alltäglichen Vorgängen wie z.B. im Straßenverkehr oder auch bei der Haus- bzw. Gartenarbeit. Wir können uns ja gern noch so sehr vornehmen, uns vorsichtig zu verhalten – wir haben unser Schicksal eben nicht selber in der Hand. Wie wir es auch drehen und wenden, unser Leben ist und bleibt in hohem Maße gefährdet. - Damit können wir uns abfinden und mit Erich Kästner lapidar sagen: " Seien wir ehrlich, das Leben ist immer lebensgefährlich." - Hilfreicher aber scheint mir, den anderen und auch uns selbst den Segen und die Bewahrung durch Gott zuzusprechen. Wir können ja einmal prüfen, wie wir uns fühlen, wenn wir für uns selbst den Segen Gottes erbitten oder im Blick auf andere einen Segensspruch sprechen. Damit können wir noch heute, an diesem Trinitatissonntag anfangen.
"Der Herr lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig." Wenn ein Mensch uns zugeneigt ist, wenn er us mag, oder noch stärker: Wenn er uns liebt, leuchtet sein Gesicht, schon, wenn er uns nur ansieht. Diese Erfahrung steht hinter der biblischen Rede, dass Gottes Angesicht über uns keuchtet. Davon spricht Luther, wenn er sagt, dass Gott ein glühender Backofen voller Liebe sei. Zwar ist manchen Menschen ein solches Erlebnis völlig fremd. Sie fürchten, Gott habe ein eiskaltes Herz und er sei bestenfalls gleichgültig uns gegenüber.  - In einem solchen Fall sprechen Psychologen wohl auch von einer "Gottesverfinsterung". Das ist für meine Begriffe, das Schlimmste, was einem Menschen widerfahren kann. Gegen siesen schlimmsten aller Irrtümer können wir uns allerdings wappnen. Das Beste ist mit Sicherheit, wir hören oder lesen Sonntag für Sonntag das Wort, mit welchem uns der Segen Gottes zugesprochen wird.
"Und er sei dir gnädig." Gnade hat immer etwas mit der Vergebung der Sünden zu tun. Und dabei ist dann die Sündenvergebung doch noch einmal etwas anderes als die Reparatur kleinerer moralischer Verfehlungen. Sünde ist: "Sein-Wollen-Wie-Gott", Aufstand gegen Gott, die Rebellion gegen den Schöpfer und die Absicht, das eigene Leben selbst in die Hand zu nehmen, gerade so, als ob es Gott nicht gäbe. Das Wort, das die Schlange im Paradies zu Eva sprach, ist als große Versuchung immer auch in unseren Herzen lebendig: "Ihr werdet sein wie Gott."
Das Elend, welches unser Aufstand gegen Gott bewirkt, hat der dänische Philosoph und Theologe Sören Kierkegaard dargestellt. Den Anfang des elens sieht er in der Angst. Beim Lesen der Geschichte vom Sündenfall im 1. Buch Mose können wir feststellen, dass alles tatsächlich mit der Angst beginnt. Und zwar mit der Angst vor der Zukunft, vor dem Ungewissen unseres Lebensweges. Denn genau hier hakt die Schlange nach, wenn sie dem Menschen sagt: "Sobald ihr davon esst, werden euch die Augen aufgehen, und ihr werdet alles wissen, genau wie Gott. Dann werdet ihr euer Leben selbst in die Hand nehmen können."  Genau hier haken auch die heutigen Angstmacher und Populisten ein, wenn sie die Menschen in ihrem Land beherrschen wollen. - Aus der Angstmacherei der Schlangen jedweder Art entwickelt sich die Schuld. Und die Schuld führt schließlich zur Verzweiflung, zur Verzweiflungstat.
Die Erlösung aus diesem Zustand widerum hat besonders deutlich der Apostel Paulus beschrieben. Er sagt, dass Gott die Erlösung des Menschen in, mit und durch den gekreuzigten und auferstandenen Christus vor aller Welt öffentlich bekannt gemacht hat.
Sünde dagegen ist nicht in erster Linie die Summe moralischer Einzelverfehlungen, sondern viel mehr: Sünde, das ist die falsche Grundrichtung unseres Lebens überhaupt, der praktizierte Atheismus, dem wir unterliegen, ohne es selbst zu merken.
Wenn Gott "sein Angesicht über uns leuchten lässt" und uns "gnädig" ist, dann geschieht das Wunder schlechthin: Wir werden als Gottes Kinder angenommen, obwohl wir das in keiner Weise verdienst haben. Daran könnenn wir uns erinnern, wenn beim Segenswort am Schluss des Gottesdienstes davon die Rede ist, dass Gott uns gnädig ist. Der Segen, den wir am Sonntagmorgen im Gottesdienst hören, bekräftigt die Zusage der Gnade Gottes für uns. Wenn wir nur aufmerksam zuhören, können wir befreit und fröhlich nach Hause gehen.
"Der Herr erhebe sein Angesicht über dich und gebe dir Frieden." Frieden ist das schönste Geschenk, das uns auf Erden gegeben werden kann. Frieden ist mehr als das Schweigen der Waffen. In einem Gesangbuchlied aus dem späten 17. Jahrhundert ist davon die Rede: "Dass ich den Frieden Gottes schmeck und fühl und dir darob im Herzen sing und spiel." Wir erleben den Frieden, wenn wir zu-frieden und be-friedigt sind. Das ist – wir wissen es alle – nicht immer der Fall. Manchmal kommt es zum Streit in der Familie, unter Bekannten, in der Gemeinde. Werden wir in einen Streit verwickelt, fühlen wir uns zumeist sehr unglücklich. Dem Leben fehlt die Schönheit, die Leichtigkeit und der Glanz, solange der Streit andauert. Solange wir keinen Frieden haben, geht das Leben an uns vorbei.
Liebe Schwestern und Brüder, hören wir das Segenswort am Schluss des Gottesdienstes ganz aufmerksam, können wir den Frieden, den Gott uns zusagt mitnehmen. Zum gemeinsamen Essen im Anschluss, ins Hotel oder die Pension, nach Hause durch die neue Woche. Wir müssen uns nicht zum Frieden zwingen, sondern Gottes Friedensgeschenk einfach annehmen, und danach sehen, was daraus wird.
Das Segenswort, das wir heute miteinander bedacht haben, ist weit mehr als 2000 Jahre alt, eher schon so an die 3000 Jahre. Ich finde es schon bewegend, daran zu denken, wieviel Menschen im Laufe der Jahrhunderte das alte Segenswort gehört haben, es einander in der Gemeinschaft der Glaubenden, der Heiligen also, zugesprochen haben und zwar beide Juden genauso wie Christen. Und ich finde es auch bewegend und bedenkenswert, dass eben dies auch uns verbindet, die wir räumlich getrennt und doch gemeinsam diesen Gottesdienst am Trinitatistag 2020 lesend feiern.
Was liegt also näher, liebe Gemeinde in der räumlichen Trennung und doch gleichgesinnt zueinan-der, als dass ich uns zum Abschluss die erste Strophe hinschreiben von einem Kirchenlied, das wir danach auch noch vor uns her summen könnten: "Komm Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen. Nie sind wir allein, stets sind wir die deinen, Lachen oder Weinen wird gesegnet sein."
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere menschliche Vernunft es fassen kann, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Heiland.      AMEN

Instrumental

Fürbittgebet: (Lasst uns beten)
Herr, unser Gott, du lenkst unser Schicksal in guten und schweren Tagen. Wir dürfen uns dir anvertrauen. In dunklen Stunden bist du bei uns und führst uns hindurch. Auf den Höhen unsere Lebens gibst du uns das Glück und die Kraft, die wir dann in uns empfinden. Lass uns nie vergessen, dass es keine Zeit und keinen Ort in dieser Welt gibt, da wir nicht unter deinen gütigen Augen und in deinem Segen leben.
Wir bitten dich heute für die Verzagten, dass sie neuen Mut gewinnen und spüren, du bist da und ganz in ihrer Nähe.
Wir bitten dich für die Zweifler, denen es nicht gelingen will, sich dir anzuvertrauen und tapfer den Weg zu gehen, den du sie weist. Gib ihnen ein Zeichen, dass sie erkennen, du gehst ihnen voraus.
Wir bitten dich für die Hochmütigen, die meinen, sie könnten ihr Leben selbst machen und mit Sinn erfüllen. Lass sie zu dir finden, bevor sie mit ihren Plänen und ihrer eigenen Kraft scheitern. Gib ihnen die nötige Demut, sich deinem guten Willen unterzuordnen.
Wir bitten dich für die Undankbaren, die den Sinn dafür verloren haben, dass sie nur von den Geschenken deiner Liebe und Fürsorge leben. Lehre sie klein denken von sich selbst und groß von dir.
Wir bitten dich auch für uns selbst, dass wir mit deiner Hilfe alles abtun können, was zwischen dir und uns steht und zu einem kindlichen Vertrauen zu dir, unserem Vater, finden. Schenke uns in unserem festen Glauben an dich, an deine unverbrüchliche Treue und Liebe zu uns, den Halt, die Hoffnung und das Ziel, die wir für unser Leben brauchen.
Herr, unser Gott, du lenkst unser Schicksal in guten und schweren Tagen. Wir dürfen uns dir anvertrauen. Hilf uns, dass wir es auch tun und gib uns deinen Segen dazu.                Amen.

Das alles beten wir zu Gott, wenn wir uns jetzt erheben und gemeinsam sprechen:
(im Stehen: gemeinsam gesprochenes) „Vater unser
Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.           Amen

Gemeindegesang EG 320, 1,6+7  und  Sammlung der Kollekte
Nun lasst uns Gott dem Herren Dank sagen und ihn ehren für alle seine Gaben, die wir empfangen haben.
Durch ihn ist uns vergeben die Sünd, geschenkt das Leben. Im Himmel solln wir haben, o Gott, wie große Gaben!
Wir bitten deine Güte, wollst uns hinfort behüten, uns Große mit den Kleinen; du kannst's nicht böse meinen.                                                                                                    (Ludwig Helmbold 1575)

ABKÜNDIGUNGEN (auch für den kommenden Sonntag wird im Kirchenblog ein Gottesdienst veröffentlicht – bis dahin: kommen Sie, kommt ihr gut durch diese Woche)

Gemeindegesang: Lied Nr. 170, 1-3 Komm, Herr, segne uns, dass wir uns nicht trennen, sondern überall uns zu dir bekennen, nie sind wir allein, stets sind wir die Deinen.Lachen oder Weinen wird gesegnet sein.
Keiner kann allein egen sich bewahren.Weil du reichlich gibst, müssen wir nicht sparen. Segen kann gedeihn, wo wir alles teilen, schlimmen Schaden heilen, lieben und verzeihn.
Frieden gabst du schon, Frieden muss noch werden, wie du ihn versprichst uns zum Wohl auf Erden. Hilf, dass wir ihn tun, wo wir ihn erspähen – die mit Tränen säen, werden in ihm ruhn.
(Dieter Trautwein 1978)

Segenswort
Der Herr begleite uns in diesen Tag und in die neue Woche: Der Herr segne uns, damit wir den Frieden erfahren, ohne den wir nicht froh sein können. Der Herr behüte uns, daß wir getrost und zuversichtlich leben können. Der Herr bewahre uns in seinem Wort, daß wir Boten seiner Liebe und seines Friedens sind.

So segne Euch und behüte Euch der allmächtige Gott,
+ der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.                           Amen.

Musikalisches Nachspiel