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Freitag, 26. Juni 2020

Gottesdienst am Sonntag, den 28. Juni 2020


Gottesdienst am Sonntag, den 28. Juni 2020 (3. So. n. Trinitatis) um
11 h 30 in der oekumenischen Gemeinde St. Nikolaus zu Alanya.

Musik zum Eingang

Gruß und Eingangswort
Wir beginnen und feiern miteinander Gottesdienst im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.  Amen.
Dazu grüße ich Sie alle mit dem Wochenspruch für die heute, am 3. So. n. Trinitatis, beginnende Woche aus Lukas  19,10: Jesus spricht: "Der Menschensohn ist gekommen, zu suchen und selig zu machen, was verloren ist.                 Amen

Gemeindegesang Lied  EG 279, 1.7.8  (entspricht Reimpsalm 66)
Jauchzt, alle Lande, Gott zu Ehren, rühmt seines Namens Herrlichkeit,
und feierlich ihn zu verklären, sei Stimm und Saite ihm geweiht.
Sprecht: Wunderbar sind deine Werke, o Gott, die du hervorgebracht;
Auch Feinde fühlen deine Stärke und zittern, Herr, vor deiner Macht.
Die ihr Gott fürchtet, ich erzähle: kommt, hört und betet mit mir an!
Hört, was der Herr an meiner Seele für große Dinge hat getan.
Rief ich ihn an mit meinem Munde, wenn Not von allen Seiten drang,
so war oft zu derselben Stunde auf meiner Zung ein Lobgesang.
Gelobt sei Gott und hochgepriesen, denn mein Gebet verwirft er nicht;
Er hat noch nie mich abgewiesen und ist in Finsternis mein Licht.
Zwar elend, dürftig bin ich immer und schutzlos unter Feinden hier;
doch er, der Herr, verlässt mich nimmer, wend't seine Güte nicht von mir.
(Matthias Jorissen 1798)

Lesung aus Psalm Ps. 103, 1-13
Lobe den HERRN, meine Seele, und was in mir ist, seinen heiligen Namen!
2 Lobe den HERRN, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat:
3 der dir alle deine Sünde vergibt und heilet alle deine Gebrechen,
4 der dein Leben vom Verderben erlöst, der dich krönet mit Gnade und Barmherzigkeit,
5 der deinen Mund fröhlich macht und du wieder jung wirst wie ein Adler.
6 Der HERR schafft Gerechtigkeit und Recht allen, die Unrecht leiden.
7 Er hat seine Wege Mose wissen lassen, die Kinder Israel sein Tun.
8 Barmherzig und gnädig ist der HERR, geduldig und von großer Güte.
9 Er wird nicht für immer hadern noch ewig zornig bleiben.
10Er handelt nicht mit uns nach unsern Sünden und vergilt uns nicht nach unsrer Missetat.
11Denn so hoch der Himmel über der Erde ist, lässt er seine Gnade walten über denen, die ihn
     fürchten.
12So fern der Morgen ist vom Abend, lässt er unsre Übertretungen von uns sein.
13Wie sich ein Vater über Kinder erbarmt, so erbarmt sich der HERR über die, die ihn fürchten.
Kommt lasst uns anbeten!

Kyrie: Herr, Jesus Christus, du hast uns die Gnade Gottes erworben, du stehst uns dafür ein, dass unser himmlischer Vater barmherzig mit uns sein kann. Und doch wollen wir unser Leben immer wieder selbst machen. Wir weisen auf unsere Verdienste, rühmen uns der freundlichen Art, die wir doch haben und wie wir uns um ein christliches Leben bemühen. - Wie wenig haben wir davon verstanden, warum nur du uns retten kannst! Herr, erbarme dich! Herr, erbarme dich!
Dafür bitten wir, wenn wir jetzt singen: Kyrie, eleison...

Gloria: Gott, in deinem Sohn hast du uns den einzigen Helfer gesandt, der uns von Sünde und Tod erlösen kann. In ihm liegt unser Heil. Er allein kann uns in deinem Gericht vertreten - und hindurch bringen. Lass uns das doch einleuchten, uns darüber freuen und dir dankbar sein.  Lobsinget Gott, erhebt seinen heiligen Namen! Laudate omnes gentes

Tagesgebet: (Lasst uns beten!)
Himmlischer Vater, du hast dein Lich angezündet in uns, deinen Heiligen Geist hast du in uns gegossen. Dein Reich ist mitten unter uns, verborgen und nahe: ein Mensch, den man liebhat, Menschen, für die man lebt. Dein Wille geschieht auf Erden, überall, wo Menschen füreinander Leben und sterben. Wir bitten dich: Lass uns alles vollbringen allmählich, Tag für Tag, damit wir vertraut werden mit deinem Namen und dich finden, unseren Vater bis in Ewigkeit.      Amen

Gemeindegesang Lied  EG 241, 1-3+8  
Wach auf, du Geist der ersten Zeugen, die auf der Mau'r als treue Wächter stehn,
die Tag und Nächte nimmer schweigenund die getrost dem Feind entgegen gehn,
ja deren Schall die ganze Welt durchdringt und aller Völker Scharen zu dir bringt.
O daß dein Feuer bald entbrennte, o möcht es doch in alle Lande gehn!
Ach Herr, gib doch in deine Ernte viel Knechte, die in treuer Arbeit stehn.
O Herr der Ernte, siehe doch darein: die Ernt ist groß, die Zahl der Knechte klein.
Dein Sohn hat ja mit klaren Worten uns diese Bitt in unsern Mund gelegt.
O siehe, wiie an allen Orten sich deiner Kinder Herz und Sinn bewegt,
dich herzinbrünstig hierum anzuflehn; drum hör, o Herr, und sprich: "Es soll geschehn."
Du wirst dein herrlich Werk vollenden, der du der Welten Heil und Richter bist;
du wirst der Menschheit Jammer wenden, so dunkel jetzt dein Weg, o Heilger, ist.
Drum hört der Glaub nie auf, zu dir zu flehn; du tust doch über Bitten und Verstehn.
(Text: 1-3 Karl Heinrich von Bogatzky 1750 / 8: Albert Knapp 1837 Mel. Dir, dir, o Höchster will ich singen...)

Schriftlesung aus dem Alten Testament Micha 7,18-20:
Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die übrig geblieben sind von seinem Erbteil; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er ist barmherzig! Er wird sich unser wieder erbarmen, unsere Schuld unter die Füße treten und alle unsere Sünden in die Tiefen des Meeres werfen. Du wirst Jakob die Treue halten und Abraham Gnade erweisen, wie du unsern Vätern vorzeiten geschworen hast. Selig sind, die das Wort Gottes hören und bewahren. Halleluja!

Apostolisches Glaubensbekenntnis
            Ich glaube an Gott, den Vater, den Allmächtigen, den Schöpfer des Himmels und der Erde,
            und an Jesus Christus,  seinen eingeborenen Sohn, unseren Herrn, empfangen durch den Heiligen Geist, geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben, hinabgestiegen in das Reich des Todes, am dritten Tage auferstanden von den Toten, aufgefahren in den Himmel. Er sitzt zur Rechten Gottes, des allmächtigen Vaters; von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.
            Ich glaube an den Heiligen Geist, die heilige christliche Kirche, Gemeinschaft der Heiligen, Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben.                                       Amen

Lied zur Predigt   EG (West) 673, 1-3    Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt,
damit ich lebe. - Ich lobe meinen Gott, der mir die Fesseln löst, damit ich frei bin.
Refrain: Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern, die Menschen werden singen,
bis das Lied zum Himmel steigt: Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,  Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden.
Ich lobe meinen Gott, der mir den neuen Weg weist, damit ich handle.
Ich lobe meinen Gott, der mir mein Schweigen bricht, damit ich rede.
 Refrain: Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern, die Menschen werden singen,
bis das Lied zum Himmel steigt: Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,  Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden.
Ich lobe meinen Gott, der meine Tränen trocknet, dass ich lache.
Ich lobe meinen Gott, der meine Angst vertreibt, damit ich atme.
Refrain: Ehre sei Gott auf der Erde in allen Straßen und Häusern, die Menschen werden singen,
bis das Lied zum Himmel steigt: Ehre sei Gott und den Menschen Frieden,  Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Ehre sei Gott und den Menschen Frieden, Frieden auf Erden.
(Text: Hans-Jürgen Netz 1979; Mel. Christoph Lehmann 1979)

Kanzelgruß: Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit Euch allen!

Predigttext: Johannes 14, 23-27  (Der Friede Christi - Lutherbibel)
23 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wer mich liebt, der wird mein Wort halten; und mein Vater wird ihn lieben, und wir werden zu ihm kommen und Wohnung bei ihm nehmen.
24 Wer aber mich nicht liebt, der hält meine Worte nicht. Und das Wort, das ihr hört, ist nicht mein Wort, sondern das des Vaters, der mich gesandt hat.
25 Das habe ich zu euch geredet, solange ich bei euch gewesen bin.
26 Aber der Tröster, der Heilige Geist, den mein Vater senden wird in meinem Namen, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.
27 Frieden lasse ich euch, meinen Frieden gebe ich euch. Nicht gebe ich euch, wie die Welt gibt. Euer Herz erschrecke nicht und fürchte sich nicht.

Predigt:       Aus dem Kinderzimmer dringt Schluchzen. Sam hört es, öffnet die Tür und macht Licht an. Jona, sein achtjähriger Sohn, wälzt sich hin und her, geplagt von einem Alptraum. Sam setzt sich auf die Kante des Bettes, nimmt den Sohn in den Arm und weckt ihn. "Jona! Du hast nur schlecht geträumt."
So, liebe Gemeinde, beginnt eine bewegende Szene in dem ziemlich bekannt gewordenen Hollywood – Film "Schlaflos in Seattle." Sam, gespielt von Tom Hanks, ist ein Vater, der nach dem Tod seiner Frau nicht nur mit der eigenen Trauer fertig werden, sondern noch dazu seinem Sohn über den Verlust hinweg helfen muss. - Schließlich wacht Jona auf. Der Vater hält ihn im Arm und sie sprechen miteinander. "Ich fange an sie zu vergessen." sagt Jona. "Ich weiß gar nicht mehr richtig, wie Mom ausgesehen hat." - Da beginnt Sam zu erzählen: "Sie konnte einen Apfel so schälen, dass die Schale ein einziges Band ergab."
Etwas Wahres steckt in dieser Szene aus einem Kinofilm. Trauer wird noch schlimmer, wenn wir mit dem Menschen auch noch die lebendige Erinnerung an ihn zu verlieren drohen. Wenn die Erinnerung verblasst, was bleibt uns dann? - Der Predigttext schildert eine ganz ähnliche Situation. Auch hier plagen Sorgen und Verlustängste ein junges Kind: Die junge, christliche Gemeinde des Evangelisten Johannes ängstigt sich um den Verlust ihres Herrn Jesus Christus. Furcht und Skepsis plagen die Gemeinde um Johannes herum. Wie können sie sicher sein, dass wahr ist, was sie von Jesus Christus hören? Die Jünger hatten Jesus wenigstens noch mit eigenen Augen gesehen. Sie hatten seine Stimme gehört und seine Nähe gespürt. Aber das ist schon vor 50 / 60 Jahren gewesen und den meisten der Gemeinde ging es so wie uns Heutigen. Sie kennen Jesus auch nur vom Hörensagen.
Als Kinder hatten sie den Geschichten vom Guten Hirten gelauscht. Der Kinderglaube ist naiv, aber unverbrüchlich. Nur, später, wenn wir die Nähe des Heilands nicht mehr so unmittelbar erleben und wir uns unsicher werden: Haben wir eigentlich Glauben; ist Glaube überhaupt etwas für gestandene Menschen? Dann kommen Zweifel und Skepsis, die uns im tiefsten Innern, im Herzen bewegen. "Was ist der Grund, der trägt? Wo gibt es Halt, wenn alles andere unsicher geworden ist? Ist Jesus wirklich da, bei uns, bei mir wie ein guter Hirte?" Die Sehnsucht nach Sinngebung für mein Leben wird vergleichbar mit dem Wunsch, dass jemand die früher sicher geglaubte Gewissheit nunmehr garantieren kann.
Der Johannes kennt die Sehnsucht seiner Gemeinde. Auch darum schreibt er sein Evangelium. Gewissermaßen als Antwort erzählt er eine Begebenheit zwiscen Jesus und seinen Jüngern, berichtet von einem Gespräch nach dem Abendessen. Und zeigt seinen Glaubensgeschwistern, dass auch die ersten Jüngerinnen nd Jünger mit den gleichen Sorgen zu kämpfen hatten wie die Gemeinde, für die er schreibt. Und dabei hatten sie doch Jesus mit eigenen Augen gesehen! Als Jesus wusste, dass er bald sterben würde, versammelte er die Seinen noch einmal um sich. An diesem Abend war es zum letzten Mal, dass sie miteinander zu Tisch saßen. "Kinder", sagte er, "ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, aber wohin ich gehe, könnt ihr mir nicht folgen. Aber: Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen." (Johannes 13,33;14,18)
Die Zeit des Einander-Nahe-Seins hatte ein Ende. Die Wege trennten sich. Der Weg der Jünger wurde schwer, denn nun waren sie auf sich allein gestellt. Sie werden Jesus suchen; sie werden sich danach sehnen, dass alles wieder so wird, wie es war.
     Liebe Gemeinde, wenn die Zeit der ersten Ratlosigkeit vorüber ist, stellen sich den Trauernde neue Fragen, stellen sich den Trauernden neue Fragen: Was bleibt? Werden wir vergessen, wie Jesus war und was er gesagt hat? Wird die erinnerung verblassen?
     Der Vater von Jona, dem es genauso geht wie Johannes, beginnt einfach zu erzählen, z.B. von kleinen Marotten der Mutter. Und hinter der kleinen Geschichte vom Apfelschälen wird ihre Person wieder spürbar. Jona beruhigt sich und schmiegt sich in die Arme des Vaters, bis er erneut einschlafen kann.
Der Evangelist erzählt zwar jetzt keine Marotten von Jesus, aber Geschichten aus dem Leben Jesu. Wie Jesus einmal Wasser in Wein verwandelt hat. Wie er Wunder tat, was er sagte und lehrte. Wie er seinen Jüngern einmal sogar die Füße wusch. So fügt sich Bild an Bild. Und hinter all diesen vielen Bildern wird der Christus selbst sichtbar. Ja, genau: so war er! Das beruhigt für eine  Weile...
Aber leider nicht auf Dauer. Denn: Wer garantiert eigentlich, dass diese Geschichten alle stimmen? Ud dass das Bild, welches sie zeichnen auch wirklich stimmt?
Diese Frage stellt sich in unseren Tagen verschärft. So lange sind wir schon ohne Gottesdienst in unserem schönen, kleinen Kirchenraum in Alanya geblieben. Und jetzt noch, planmäßig sozusagen, Auch im Juli und August. Auch kein Kirchencafè. Wer garantiert uns eigentlich, dass diese Geschichten alle stimmen? Denn viele schreiben und erzählen in diesen Monaten ganz Unterschiedliches von Jesus und Gott: Viele christliche Konfessionen: evangelische, katholische, orthodoxe – und dazu noch unendlich viele Splittergruppen. Was Gott angeht, dann auch noch die Juden und der Islam! Die mangelnde Einheit macht das, was sie von Gott und Jesus, von Abraham und Mose und Allah erzählen, nicht eben überzeugend.
Das ist ein schmerzlicher Zustand – nicht um der Kirche der Christen willen, sondern um der Sache Jesu Christi willen. Denn wie soll sein Andenken in dieser Zeit und Welt glaubwürdig den Menschen vermittelt werden können? Wer glaubt schon einem zerstrittenen Haufen von Religionen oder gar Konfessionen? - Und darum ist es wichtig, liebe christliche Gemeinde an der türkischen Riviera, dass wir in Alanya und Antalya unsere Gottesdienste in ökumenischer Gemeinschaft feiern und dass alle mit dabei sein können, wenn es darum geht, das eine, das ungeteilte Erbe der frohen Botschaft Jesu Christi in dieser Zeit und Welt zu bezeugen!
Der Evangelist Johannes nimmt die Not seiner Gemeinde ernst. "Ja," sagt er: "Es ist ein Problem, wenn die Einheit zerfällt. Darum müssen wir uns um das Wort Jesu mühen. Wir müssen uns prüfen lassen an dem, was Jesus selbst gesagt hat. Dann bleiben wir bei ihm und bleiben zusammen." - Fast will mir scheinen, als hätte er einzig und allein zu diesem Zweck die Worte Jesu aufgeschrie-ben in seinem Evangelium. Und in der Tat: alle Christen in allen Konfessionen eint die EINE HEILIGE SCHRIFT, die Bibel. Aber zur Einheit gehört mehr als der Buchstabe. Zur Einheit gehört ein bestimmter Geist. So wie Jesus immer und immer wieder betonte: "Mein Vater und ich sind eins.Wer mich sieht, sieht den Vater. Wen ich liebe, den liebt der Vater." Einheit kann man nicht erzwingen; sie lebt aus dem Geist der Liebe.
Liebe ist es letztlich auch, was Jona's Vater im Film "Schlaflos in Seattle" glaubwürdig macht. Dass der kleine Junge sich darauf verlassen kann: Mein Vater wird keine Lügen über Mama erzählen, denn er liebt sie und er liebt mich.
Johannes erinnert sich, erinnert uns an ein Wort Jesu. Liebe ist die Voraussetzung jeder Einheit. Sie kommt aber nicht von uns, sondern zu uns. Gott ist es, der uns zuerst liebt, damit wir ihn zurück lieben können.
In aller unserer Sorge um die Christenheit ob sie denn wohl glaubwürdig sei, ist die Botschaft der Liebe Gottes für uns eine Entlastung. Es hängt eben nicht von uns ab, ob die Erinnerung an Jesus glaubhaft ist oder nicht. Gott selbst sorgt dafür! - Shen Sie, seht ihr: Dazu schenkt er den Heiligen Geist, den Johannes hier "den Beistand" nennt. Ein Beistand, der tröstet und neue Orientierung schenkt. Denn die Zeit nach der Himmelfahrt ist anders als die Zeit vorher. Sie ist beherrscht von Trauer und Sehnsucht. Aber eines ist sie nicht! Die Zeit nach Himmelfahrt ist keine Zeit, die wir gottlos – ohne Gott – leben müssten und lediglich noch auf verblassende Erinnerungen angewiesen wären. Sondern es ist eine Zeit, in der Gott immer wieder zu uns kommt durch den Heiligen Geist. Z.B. in unsere Gottesdienste.
Der Hollywood-Film findet eine vergleichbar verblüffende Lösung. Sie ist falsch und richtig zugleich: Nachts, wenn Jona schläft, liegt der Vater wach, zwischen Tg und Traum. Da kommt dann seine Frau zu ihm und er spricht mit ihr.
Richtig daran ist: Wie die Mutter des Nachts zu Jona's Vater kommt, so bleibt auch die Christenheit nicht allein. Jesus sagt: "Ich komme zu euch – und nicht nur ich, sondern ich und mein Vater werden kommen und Wohnung nehmen bei jedem Christenmenschen. Wir kommen und sind dir nahe, damit du uns nahe sein kannst." Aber anders als im Film ist die Nähe nicht einfach nur die Wiederholung des früheren Zustandes. Die Nähe Gottes ist vermittelt durch den Heiligen Geist, dessen Fest wir jüngst zu Pfingsten gefeiert haben.
Aber dieser Geist stellt nicht nur den früheren zustand wieder her. Dieser Geist schafft etwas Neues. Er sorgt dafür, dass aus den verängstigten Jüngerinnen und Jüngern eine neue Gemeinschaft wird, die mit einer Stimme sprechen kann. Er lässt die Christenheit mit einer Zunge reden, damit sie von aller Welt verstanden wird. Er ist der Geist, der letztlich dafür sorgt, dass die erinnerung an Jesus Christus lebendig bleibt. Der Heilige Geist ist die Liebe, die uns bei allen Gefährdungen des Lebens und in aller Bedrängnis unsere Füße auf festen Boden stellen will. Der Heilige Geist ist eben jene Liebe, die uns mit der Gewissheit tröstet: "Was auch kommen mag – du bist nicht allein!" Diese Gewissheit kann man nicht produzieren. Sie ist ein Geschenk. Wenn sie sich einstellt, dann ist das eine Tat des Heiligen Geistes.
Der kleine Jona ist von Alpträumen geplagt. Unruhig wälzt er sich auf seinem Bett. Da kommt sein Vater, nimmt ihn in den Arm und erzählt ihm von der Mutter, bis der Junge wieder Atem schöpfen kann und Ruhe findet. - Liebe Gemeinde, dass jemand da ist, wenn wir von Zweifel und Sorge geplagt sind, dass jemand dann uns von Jesus Christus erzählt und uns unseren Glauben stärkt, das gebe Gott in seiner Liebe einer jeden und einem jeden von uns!
Und der Friede Gottes, der höher ist als unsere menschliche Vernunft es fassen kann, bewahre Eure Herzen und Sinne in Christus Jesus, unserem Heiland.      AMEN

Instrumental

Fürbittgebet: (Lasst uns beten) Komm, Heiliger Geist und rühre uns an!
Mit der Kraft aus der Höhe rühre uns an. Gib deinem Wort Leuchtkraft in unseren Worten, dass es zum Glauben erweckt, zur Hoffnung ermuntert und zur Liebe verlockt alle deine Kinder. Gib Leuchtkraft deinem Wort in unserem Gewissen, dass die Wahrheit aufstrahlt und die Lüge verblasst, dass der Friede an Kraft gewinnt und der Hass sich verzehrt, dass die Freiheit zum Sieg kommt und zum Versiegen das Unrecht.
Komm, Heiliger Geist und rüste uns aus! Mit Frieden und Mut, einen guten Ausgang und zum neuen Werk einen mutigen Anfang: damit die Regierenden weise entscheiden und dann auch entschieden regieren, damit die Mächtigen über ihre Macht barmherzig verfügen und die Ohnmächtigen Barmherzigkeit finden. Gib den Einsamen Freude, den Verlotterten Halt, den Versteinerten gib ein Lächeln zurück.
Komm Heiliger Geist! Bei uns bist du nötig. Wir brauchen dich. Auf den Höhen der Macht, im traurigen Abgrund und auf alltäglichen Wegen. Überall brauchen wir deinen Impuls. Wir brauchen deinen Mut zum Leben und wir brauchen deinen Frieden zum Sterben. Wir brauchen dich an allen Enden. Komm, Heiliger Geist!
Das beten wir zu Gott, wenn wir uns jetzt erheben und gemeinsam sprechen:
(im Stehen: gemeinsam gesprochenes) „Vater unser
Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit, in Ewigkeit.           Amen

Gemeindegesang EG (West) 609, 1-3   und  Sammlung der Kollekte
Du hast vereint in allen Zonen, uns, die du liebtest je und je
wir bitten, Herr, lass bei uns wohnen den Geist der Gnade aus der Höh.
Sieh an, es beugen voll Vertrauen all deine Kinder ihre Knie,
du wollest ihre Hoffnung schauen, tritt, Vater, heute unter sie.
Und der Verheißungen gedenke, vereinige uns durch den Geist
und schaffe, dass er Frieden schenke, und lehr, wie man dich Vater heißt.
Mach unsre blinden Augen sehen, mach unsre toten Herzen neu,
gib Stimmen du zu Lob und Flehen und ein Bekenntnis, wahr und treu.
Verbreite deine frohe Kunde vom Anfang bis zum Niedergang,
mach alle uns zu einem Munde, aus Tausenden ein Lobgesang!
Dein starker Arm zusammenbringe die Völkerwelt von nah und fern,
daß sie am Kreuz ihr Loblied singe, dir, Jesus Christus, ihrem Herrn.
(frz.; deutsch von Johann Christoph Hampe 1950 / Mel. Wie groß ist des Allmächtgen Güte...)


ABKÜNDIGUNGEN (Liebe Leserin und lieber Leser, am kommenden Dienstag endet unsere Beauftragung zum Dienst in Alanya. Deshalb ist dies vorerst unser letzter Gottesdienst in  schriftlicher Form. Ich bedanke mich, auch im Namen von meiner Frau Erika, für Ihre Treue und Eure Verbundenheit auch über die weite Entfernung. Allerdings: verabschieden möchten wir uns noch nicht, denn wir haben ja noch einen Koffer in der Dienstwohnung und den müssen wir demnächst abholen, wer weiß, vielleicht dann ja auch in Verbindung mit einem realen Gottesdienst im Kirchenraum. Bis dahin: Ein herzliches "Gott befohlen!"     Euer Pastor Frieder Lenger)

Gemeindegesang: Lied Nr. 295, 1.3.4   Wohl denen, die da wandeln vor Gott in Heiligkeit,
nach seinem Worte handeln und leben allezeit; die recht von Herzen suchen Gott und seine Zeugniss' halten, sind stets bei ihm in Gnad.
Mein Herz hängt treu und feste an dem, was dein Wort lehrt.
Herr, tu bei mir das Beste, sonst ich zuschanden werd.
Wenn du mich leitest treuer Gott, so kann ich richtig laufen den Weg deiner Gebot.
Dein Wort, Herr, nicht vergehet, es bleibet ewiglich,
soweit der Himmel gehet, der stets beweget sich;
Dein Wahrheit bleibt zu aller Zeit gleichwie der Grund der Erden, durch deine Hand bereit'.
(Text: Cornelius Becker 1602 / Mel. Heinrich Schütz 1661)
Segenswort
Herr, sei vor uns und leite uns; sei unter uns und trage uns; sei über uns und segne uns; sei um uns und schütze uns; sei in uns, daß Geist, Seele und Leib, dein Eigentum, dir recht dienen und deinen Namen heiligen.
So segne Euch und behüte Euch der allmächtige Gott,
+ der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.                           Amen.
Musikalisches Nachspiel

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